Text: Jill Gräb & Fotos: Nathan Ishar

Isabell Schruf ist eine dieser Designerinnen, die voller Elan sind, Bock haben und ihr Ding mit einer gewissen Stärke machen. Das merkt man auch bei GY'BELL; GY'BELL, das steht für Gym (Fitnessstudio) und Bell (Klingel, Bewegung, Rhythmus), aber gleichzeitig verbirgt sich auch Isabell in dem Namen.

Wenn man ihren Laden durch das riesige gläsern-metallene Tor betritt, ist man zunächst ganz verzaubert von dem Charme, den der kleine Laden um die Ecke der Ehrenstraße versprüht. Puristisch in Schwarz und Weiß und auch verspielt durch viele kleine Akzente, wie Blumen, einem türkisfarbenen Stuhl im Shabby-Chic-Style, Zeitschriften und Kerzen, wirkt der Store sehr einladend. Gefunden hat Isabell diesen Laden auf der Palmstraße 2009 und wusste sofort, dass sie hier ihre Designs verkaufen möchte. Hier verkauft sie aber nicht nur ihre handgefertigte Kleidung, im hinteren Bereich hat sie ihr Büro, im vorderen Verkaufsbereich arbeitet sie auch an der Umsetzung ihrer Ideen. Hier erlebt Isabell jeden Tag neu und anders und entwirft und steuert von Anfang bis zur Produktion fast alles allein, was das Label so persönlich macht.

Zunächst schloss die Diplom- Designerin aus Gütersloh eine Ausbildung zur Industriekauffrau ab, um danach in einer großen Werbeagentur zu arbeiten. Für ein Studium an der Köln International School of Design (KISD) kam sie schließlich nach Köln, wo sie 2004 begann, Multidisciplinary Design zu studieren. 2006 bekam sie ein Stipendium, um in New York zu studieren, wo sie ein Jahr verbrachte und ihre Leidenschaft für Mode entdeckte.

GY'BELL vereint für Isabell ihre zwei großen Leidenschaften: Mode und Sport. 

Da Isabell Fitnesstrainerin und ihre zweite Leidenschaft der Sport ist, kam ihr die Idee, beide Interessen zu vereinen. In ihrem Vordiplom beschäftigte sie sich daher mit der Frage: Wenn man trainiert, um seinen Körper zu formen, warum dann nicht auch beim Sport gut aussehen?! Von dieser Idee inspiriert, entwarf sie zunächst sechs Styles unter dem Namen GY'BELL. Mit Unterstützung eines Produzenten folgte darauf eine Modenschau im Fitnessstudio Homes Place und GY'BELL war geboren. Seit 2009 designt Isabell in ihrem eigenen Shop auf der Palmstraße in Köln ihre sportliche Ready-to-Wear-Mode. Produziert wird das Ganze zwei Straßen weiter im eigentlichen Atelier und ist daher ein stolzes Produkt Kölns.

„Ich hab nichtgedacht: Großartig, ich versuch mal Modedesigner zu werden; das war gar nicht die Idee.“

Zwei Kollektionen entwirft und produziert sie pro Jahr. Diese sind mit Leidenschaft, Ehrgeiz und viel Liebe angefertigt. Besonderes Augenmerk legt sie dabei auf die Qualität und die Haptik der Stoffe sowie auf bequeme und trotzdem körperbetonte Styles, mit denen man auch einfach zum Sport gehen kann.

„Ich komm aus dem Sport, ich hab Bock auf Sport, ich möchte einfach, dass es den Leuten passt und dass sie sich in der Kleidung wohlfühlen.“

Und das vereint ihre Charakterstärke mit ihrem Hang zum Sport. Sie möchte keine untragbaren Designs entwerfen, sondern optisch schöne Kleidung in schlichten Farben, in der sich Menschen wohlfühlen, bewegen können und nicht verkleidet aussehen. Um dies gewährleisten zu können, verwendet sie meist Jerseystoffe und testet die Passformen auch zunächst an sich selbst. Außerdem kann die Kleidung in Kombination mit anderen Dingen (wie Schuhen) komplett anders aussehen; dazu müssen nur Sneaker gegen High Heels oder Boots getauscht werden und schon hat man ein komplett neues Outfit, erzählt sie und strahlt dabei vor Stolz und Lebensfreude.

Ihre Energie und Inspiration nimmt sie aus den kleinsten Dingen.

„Alles, was ich erlebe, bewegt mich. Und das ist tatsächlich auch der Sport wahnsinnig oft. Weil ich ja viel Sport mache und einfach Menschen sehe, beim Sport. Außerdem schreib ich mir immer Dinge auf oder ich mach Screenshots von Sachen; ob es Architektur, ob es Blumen sind... Das klingt so banal, aber ich glaub, was ich super inspirierend finde, sind Proportionen von allen möglichen Sachen.“

Außerdem inspiriert sie die Energie von New York. Dorthin kehrt sie jedes Jahr wieder zurück, um Anregungen und Stoffe für neue Kreationen zu finden. Auch ein neues Tattoo gehört zu jedem Besuch dazu. Insgesamt sind es sechs Schriftzüge, die ihren Arm bisher zieren; darunter das Wort Inspiration und Intuition und ein Stern, den sie sich während ihres Studiums dort hatte tätowieren lassen.

In Köln ist sie geblieben, weil sie patriotisch ist. Sie hat in Köln ihr Wissen für diesen Beruf erworben und fühlt sich hier zu Hause. Außerdem, sagt sie, geht doch jeder nach Berlin. Daher konzentriert sie sich auch weiter auf eine Produktion in Köln und wirkt an Events wie le bloc mit, auf der sie oft sehr außergewöhnliche Modenschauen abliefert. Ihr Lieblingsorte in Köln sind, neben dem Fitnessstudio, in dem sie noch immer gern Kurse gibt, der Brüsseler Platz und das Schmitz. Alles, was fußläufig von der Aachener Straße entfernt ist, sagt sie und lacht.

„Die Sachen sollen sich bewegen und anschmiegen und im Beat des Körpers funktionieren“.


 


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