Text: Elena Braun & Fotos: Athenea Diapoulis

Hinter dem Label von Fenja Ludwig steckt ganz viel aus ihrer eigenen Kindheit. Schon sehr früh wollte sie nicht mehr die Klamotten anziehen, die Mama ihr rausgelegt hatte. Sondern stattdessen: Jungssachen. Wenn man die zierliche blonde Frau heute in ihrem Laden in der Nähe des Friesenplatzes stehen sieht, kann man sich das gar nicht mehr vorstellen. Über der feinen weißen Bluse und dem grobmaschigen hellblauen Hosenanzug versammeln sich mehrere goldene Ketten um den Hals. An einem Finger trägt sie einen großen Ring, der ihrer Großtante gehörte. „Mein Glücksring“, wie sie sagt.

Aus dem Mädchen in den Jungsklamotten ist eine Frau geworden, die die Mode entwirft, die sie selbst gerne tragen würde. Dass sie es damit nicht jedem Recht machen kann, stört sie heute nicht mehr. „Da muss man dann eben einen Kompromiss finden, damit es den Kunden gefällt, aber ich auch dahinter stehe.“

Die 70er Jahre sind für Fenja Ludwig ein endloser Ideenpool.

Die Inspiration für ihre Stücke bekommt sie ebenfalls aus ihrer Kindheit. „Die 70er-Jahre sind wie ein endloser Pool an Ideen, da kann ich auch nicht von weg.“ Natürlich liebt sie daher auch die Discomusik aus dieser Zeit. Direkt neben dem Eingang zu ihrem Laden hängt zwischen zwei Schaufensterpuppen eine Discokugel – man hätte es ahnen können. Allerdings hängen hier keine Schlaghosen oder unmöglich knallige Muster, stattdessen dominieren Pastelltöne und neutrale Farben.

„Mode muss länger als eine Saison halten“, sagt Fenja und meint damit sowohl einen Schnitt, der länger überdauert als auch hochwertiges Material.

Für den Stoffkauf fährt sie auch aus Köln heraus, um das Beste zu finden. Für ihre Seide hat sie sich einen speziellen Händler gesucht, der das Naturprodukt in besonders hoher Qualität liefert.

Individuelle Kunst statt nur Technik

Für Fenja ist Mode ein künstlerischer Ausdruck. Und wie bei Kunst ist es natürlich jedem selbst überlassen, was er letztendlich darin sieht. Es ist eine Art, sich selbst darzustellen. Ob sie damit Kunst schafft und eine Künstlerin ist, das einzuschätzen überlässt sie jedoch gerne anderen.

Eine technische Annäherung an das Thema Mode war nichts für Fenja, wie sie im Studium zur Bekleidungsingeneurin feststellte. Als sie nach dem ersten Semester von einer Kommilitonin gefragt wurde, ob sie mit zum Bewerbungsgespräch an der Modeschule im Düsseldorfer Schloss Eller kommen wollte, nahm sie das Angebot daher dankend an – und brach das Ingenieursstudium kurzerhand ab.

Stattdessen ging sie nun auf die Modeschule, wo ihr erstmal der Kopf gewaschen wurde: „Ihr dürft nie für euch selber entwerfen, sondern immer für den Kunden“, was Fenja bis heute für Unsinn hält, solange man nicht in der Industrie arbeitet.

Rückblickend ist Fenja richtig stolz darauf, das Handwerk von der Pike auf gelernt zu haben.

Stattdessen hat sie sich selbstständig gemacht, nach einem Kostümbildner-Volontariat beim Fernsehen und einem Meisterabschluss. Der Meisterbrief hängt inzwischen mitten im Laden. „Früher habe ich mit dem Meisterbrief den Stromkasten versteckt, aber jetzt habe ich erkannt, dass es viel Wert ist, wenn man ein Handwerk von der Pike auf gelernt hat.“ Dieses Wissen gibt sie jede Woche an mehreren Terminen weiter, denn in ihrem Ladengeschäft finden auch Schneiderkurse statt. Dabei dürfen die Teilenehmer auch an die Tisch-Nähmaschinen – natürlich aus den 70ern – mit denen Fenja ganz am Anfang genäht hat.

Seit 2003 ist sie jetzt schon in diesem Laden und teilt ihn sich mit verschiedenen „WG-Partnern“, die im Geschäft nebenan verkaufen. Nachdem Fenja Ludwig sich vor kurzem von ihrer letzten Label-Partnerin getrennt hatte, musste eine Veränderung her und so wurden die Vorsprünge im Laden golden angesprüht – jetzt sehen sie aus wie große Goldbarren. „Das symbolisiert für mich, dass hier bald mehr Geld reinkommt.“

Der Mainstream interessiert Fenja nicht besonders, dennoch experimentiert sie gerne. 

Direkt daneben findet sich ihre Wall of Fame mit Fotos von Entwürfen und Shootings aus den letzten 13 Jahren. Mainstream will Fenja nicht machen, aber auch eine Jeans hat sie schon mal ausprobiert. Leider wurde ihr Stil auch schon mehrfach kopiert, wie sie erzählt. „Gerade von Leuten, die hier ein Praktikum gemacht haben. Das hat mich natürlich sehr geärgert. Aber es gibt eine asiatische Weisheit, die sagt: Die Kopie ehrt den Meister.“

Jahrelang hat Fenja ihr Label „Ludvìk“ genannt, denn ihr Vater hatte sich am Telefon immer mit „Luttwisch“ gemeldet – die typisch rheinische Aussprache für Ludwig. Um das zu vermeiden, wählte sie die besondere Schreibweise. Außer von ihrem Vater hat sie diese Aussprache aber nie wieder gehört und arbeitet daher seit kurzem wieder unter ihrem eigenen Namen: Fenja Ludwig.


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