Text: Gina Käding & Fotos: Christian Schaffrin

Schon seit sie ein kleines Mädchen war, wollte Isabelle von Lanzenauer Modedesign studieren. Doch sie wusste früh, dass die Welt der Laufstege und Kollektionen nicht wirklich die ihre ist. Vielmehr faszinierte sie die Bühne und das Kostümbild.

„Während meines Studiums habe ich dann allerdings einen Workshop gemacht zum Thema Hüte und das hat mir so wahnsinnig viel Spaß gemacht. Ich war dabei komplett im Reinen mit mir selbst.“

Von Anfang stand für sie das Ausprobieren im Fokus. „Aus dem Designstudium wusste ich natürlich manche Dinge schon, konnte Nähen und kannte die grundsätzliche Herangehensweise, aber Hüte ziehen, über Holz formen, lernen, wie sich das Material verhält - das muss man sich selbst erarbeiten.“

Der Beruf des Hutmachers stirbt allmählich aus - umso wertvoller war es für Isa, Menschen zu treffen, die ihr Wissen an sie weitergeben wollten. 

Praktika halfen ihr dabei, ihr Wissen zu vertiefen - etwa der Hutmacher an der Kölner Oper brachte ihr viele Tipps und Tricks bei, es gab aber auch schon solche, die ihr die Tür vor der Nase zuschlugen, als sie nach einem Praktikum fragte. „Das fand ich sehr schade. Der Beruf des Hutmachers stirbt schließlich aus und ich für meinen Teil würde mich sehr freuen, mein Wissen weiter geben zu können.“

Gerade das ist es auch, was viele an Isabelle fasziniert - eine junge Frau Ende 20, die das alte Handwerk beherrscht und den Hutmodellen aus vergangenen Jahrzehnten ihren ganz eigenen, modernen Twist verleiht. „Die Schnitte für die Hüte bekommt man nirgendwo, die habe ich alle selbst entwickelt.“

Ein jeder „Von Lanzenauer“ ist ein echtes Unikat.

Bei der Entwicklung der Hüte und Formen spielen ganz unterschiedliche Faktoren eine Rolle: „Manchmal habe ich eine genaue Vorstellung, in welche Richtung das Endprodukt gehen soll, manchmal probiere ich einfach aus.“ Oftmals sind es Stoffe, die sie zu ihren Designs inspirieren. Ihre Sammlung enthält unter anderem Stücke aus Indonesien, Japan und England.

„Wenn ich einen Stoff sehe, der mir gefällt, dann kaufe ich den, auch wenn ich noch gar nicht weiß, was ich daraus machen will.“

All ihr Modelle seien inspiriert aus Jahrzehnten, in denen Hüte noch ein echtes Accessoire waren - in der Regel zwischen den 20er und den 60er Jahren. In Isabelles kleinem Laden im Kunibertsviertel findet Frau alles von Cocktailkappen über Strohhüte und Pillboxes (die kleinen kompakten Hüte, die ähnlich wie Stewardessen-Hüte aussehen) bis hin zu echten Klassikern wie der Bommelmütze, die sich vor allem in den 30er Jahren etablierte und auch im 21. Jahrhundert problemlos tragbar ist. Für die Herren der Schöpfung produziert sie unter anderem Fedoras, Schiebermützen und die so genannten „Kreissägen“.

Geschichte habe sie schon immer fasziniert. Ihr Stiefvater repariert als Architekt denkmalgeschützte Gebäude, ihre Familie liebt antike Möbel und Geschichte war ihr Lieblingsfach in der Schule. Auf eine bestimmte Epoche oder einen bestimmten Stil möchte sie sich aber nicht festlegen, viel lieber wählt sie aus jedem Jahrzehnt die Dinge aus, die ihr am besten gefallen und kreiert daraus einen ganz eigenen Stil.

„Aus den 50er Jahren finde ich die Wespentaille so schön und die flachen, breiten Hüte, in den 20er Jahren wiederum sind die Kleider mit den Perlenstickereien ein echter Traum. Die 30er Jahre sind modisch etwas gedeckter. Da haben sie dann wunderschöne Wollanzüge für die Frau. Bei den 40ern finde ich die Frisuren so schön.“

Diese Liebe lebt sie natürlich auch privat aus: „Ich ziehe immer das an, worauf ich gerade Lust habe. Manchmal ein bisschen mehr 30er, manchmal 50er, oder auch 60er. Selbst wenn ich mir einfach nur mal etwas überschmeiße, versuche ich zumindest einen Touch mit einzubringen.“

Woher bekommt sie all ihre Ideen?

„Da gibt’s dann manchmal einen Film, der inspiriert mich total, und dann muss ich das einfach ausleben. Ich achte total auf das Kostümbild, das kann ich nicht abschalten, und rege mich dann immer auf, wenn irgendwas eingebracht wird, was eigentlich gar nicht in die Zeit passt“, erzählt sie lachend.

Als sie vor drei Jahren zum ersten Mal in dem kleinen Laden stand und den Schritt in die Selbstständigkeit wagte, hätte sie niemals gedacht, wie weit sie diese Reise schon jetzt gebracht hat. „Ich hatte ja damals schon fünf, sechs Jahre Hüte gemacht, aber eben ganz für mich. Da war nie der Gedanke, sie zu verkaufen.“ Erst als ein befreundeter Designer aus Japan ihr auf einmal zehn Stück abnahm, merkte sie, dass sich mit ihrer Leidenschaft vielleicht sogar Geld verdienen ließe.

Drei Jahre ist es nun her, dass sie das Ladenlokal im Kunibertsviertel anmietete und eine große Einweihungsfeier schmiss, die bis in die frühen Morgenstunden andauerte. Vor kurzem zog Freundin Sung Hea mit ihrem Label „La Maison 76“ mit ihren Taschen und ihrer Vintagekleidung zu ihr in den Laden. Isa ist froh, eine weitere modebegeisterte Seele an ihrer Seite zu haben: „Ich bin super glücklich mit der Entscheidung. Früher arbeitete eine Freundin oft bei mir im Laden, als sie wegzog, fehlte mir einige Zeit total der Austausch. Ich brauchte einfach frischen Wind.“

Vor kurzem zog Sung Hea mit ihrem Label La Maison 76 ebenfalls in den Laden ein - die beiden inspirieren sich gegenseitig. 

Zusammen entwickeln die beiden neue Ideen, unterstützen sich gegenseitig, schmieden Pläne für die Zukunft ihrer Unternehmen. Echte Frauenpower eben. Isa: „Ich bin super glücklich, wie es jetzt ist und bereue keinen einzigen Schritt.“


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