Text: Gina Käding & Fotos: Christian Schaffrin

Das ist nicht einfach nur eine Grußkarte, sagt Nick und fährt mit dem Zeigefinger über die Oberfläche der vor ihm ausgebreiteten Weihnachtskarten. Jeder unserer Letterpress-Karten ist ein Mini Artprint. Das ist ein kleines Kunstwerk.

Es ist ein sonniger Sonntagvormittag, als er und seine Frau Samay in ihrem Atelier am Rheinauhafen sitzen, an einem frisch aufgesetzten Kaffee nippen und von ihrer Arbeit erzählen. Der Raum wirkt hell und freundlich und in der Ecke steht die große Letterpress-Maschine, mithilfe der die beiden Designer unter dem Namen KIKISOSO seit 2012 Grußkarten, Einladungen und Visitenkarten anfertigen.

"Eine SMS ist nicht wie eine kleine Karte, die man schreibt und mit der Post schickt. Da ist nicht dasselbe Gefühl, dieselbe Liebe drin.“

Sie sind überzeugt, dass auch in einer Welt, in der alles immer schneller, digitaler und billiger sein muss, noch Platz für das Handgemachte und Unperfekte bleibt. Es hat uns geärgert, diese Entwicklung zu beobachten, erzählt Nick. Wir sind ja selbst davon betroffen. Wir haben auch Smartphones, verschicken SMS. Aber eine SMS ist nicht wie eine kleine Karte, die man schreibt und mit der Post schickt. Da ist nicht dasselbe Gefühl, dieselbe Liebe drin.

Immer wieder machen sie die Erfahrung, dass dieses Gefühl genau das ist, wonach viele Menschen auf der Suche sind.

Wir hatten mal so eine kleine Kiste mit Fehldrucken, die haben wir Miststücke genannt. Die waren bei manchen Kunden fast beliebter als unsere sauber gedruckten Karten, erinnert sich Samay.

Ein bisschen Wahnsinn gehört schon dazu, sich abhängig zu machen von einer Letterpress-Maschine in Zeiten, wo diese kaum noch auf dem Markt zu finden sind - geschweige denn noch von irgendwem repariert werden können. Unsere jetzige Maschine haben wir damals von einer alten Schule in England bekommen. Die brauchten dort den Platz, um sich einen modernen Kopierer zu holen, erzählt Samay lachend. Ist das zu fassen?Sie machten sich an die Aufgabe, die monströse Maschine nach Deutschland zu holen.

Wir baten die Transportfirma, uns unbedingt Bescheid zu geben, wann die Maschine geliefert würde. Immerhin mussten wir organisieren, dass sie auch gut in unserem Büro ankommt. Stattdessen stellten sie sie eines Tages einfach vor der Haustüre unseres Büros ab. Mitten auf den Gehweg.Zu zweit konnten sie das zentnerschwere Monstrum unmöglich bewegen. Ich telefonierte viele Firmen ab. Es war mitten in den Sommerferien. Niemand wollte uns helfen. Ich sagte schon zu Nick: Du wirst wohl auf dem Bürgersteig schlafen müssen.Am Ende hatten sie doch noch Glück - eine Schwertransportfirma erbarmte sich.

Die Letterpress Technik verleiht jeder Karte eine ganz besondere Qualität. 

Auch in ihr aktuelles Atelier wurde die Maschine mithilfe eines Krans gehievt - durch das Fenster von Samays Vater, der gleich nebenan arbeitet. Erst als die Maschine an ihrem angestammten Platz stand, konnten Samay und Nick die letzte Wand ihres Ateliers ziehen.

Trotzdem, den beiden ist es den Aufwand wert. Letterpress hat etwas Hochwertiges, eine besondere Qualität. Und natürlich auch einen spannenden 3D-Effekt.

Alles fing damit an, dass Nick und Samay regelmäßig selbst kreierte Weihnachtskarten an ihre Familien verschickten. 

Angefangen hat alles damals an der Uni in London, wo Nick Grafikdesign und Samay Modedesign studierte. Erst wurden die beiden ein Paar, dann merkten sie, dass sie auch toll zusammen arbeiten konnten. Samay erinnert sich: In Großbritannien ist es total üblich, dass man zu Weihnachten Karten verschickt. Jeder macht das. Wir haben damals angefangen, unsere eigenen Karten zu designen und jedes Jahr haben unsere Familien uns schon gefragt, was wir uns in diesem Jahr wieder einfallen lassen.

Ein Umzug nach Deutschland vor zwölf Jahren, die Geburt ihrer beiden Kinder, ihre Design-Aufträge - obwohl sich ihre kreative Arbeit mit ihnen entwickelte, war es nicht immer ganz leicht, dem Herzprojekt neben dem Alltag genügend Aufmerksamkeit zu geben.

An Ideen mangelt es uns eigentlich nie, wir haben ganze Ordner voll davon, erzählt Samay. Und Nick fügt hinzu: 

Zu merken, dass nicht gleich die Welt untergeht, wenn man mal etwas auf übermorgen verschiebt, weil dann mehr Zeit bleibt für ein eigenes Projekt - das lernen wir gerade. Das ist so wichtig.

Im nächsten Jahr wollen die beiden eine Linie von Postern entwickeln. Samay würde gerne Kindermode machen. Der Traum: Irgendwann nur noch die eigenen, kreativen Ideen verfolgen, weniger für Kunden arbeiten.

Jede Karte von KIKISOSO ist immer sehr persönlich und mit Ereignissen im Leben der beiden verknüpft.

Wir fragen uns eigentlich selten, was der Markt gerade wünscht. Wir schauen eher auf uns und fragen, was wir gerade brauchen. Unsere allererste Karte etwa, die entwarf ich ursprünglich für eine Freundin, die gerade ein Kind bekommen hatte - die haben wir heute noch im Sortiment.

Auch die Kinder von Samay und Nick sind aktiv an der Gestaltung der Karten beteiligt - dabei ist es ganz egal, ob sie mal eine Skizze von einer Kinderzeichnung übernehmen oder sich von der Weltsicht der Kleinen inspirieren lassen. Ihre sieben Jahre alte Tochter Emilia drehte den Spieß zuletzt sogar tatsächlich um: Sie hat eine unserer Weihnachtskarten selbst nachgezeichnet. Sogar das KIKISOSO Zeichen auf der Rückseite der Karte hat sie gemalt, erzählt Samay lachend, Und sie hat bei Instagram dafür sogar noch mehr Likes bekommen als wir.


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