Text: Elena Braun & Fotos: Florian Yeh

Versteckt zwischen vielen anderen Betrieben und Werkstätten in Bickendorf sitzen sie alle an einem Tisch: Jochen, Catrin und Daniel, die ein Teil des Kollektivs rund um INCMPLT und den Dreigang Supper Club sind. Gemeinsam mit Sebastian, der heute nicht da sein kann, bilden sie den Kern der Ideengemeinschaft.

Der große, lichtdurchflutete Raum bietet Platz für mehrere Projekte. Einerseits ist da die Werkstatt, in der viele der vielfältigen INCMPLT-Produkte gefertigt werden. Zum Beispiel steht da ein Tisch, um den herum aus demselben einfachen Holz aus Seekiefer eine Küche gezimmert wurde. Die Garnitur trägt den Namen “Nomadisch” - immer flexibel, immer leicht mitzunehmen. Dazu gesellen sich weitere Produkte, die den Alltag schöner machen, wie das Diarama, in dem man Dias präsentieren kann oder die schlichte Halterung SK8 für Skateboards.

Im hinteren Teil lagern alle Utensilien, die für den monatlichen Dreigang Supper Club benötigt werden, wie Tafel, Dekoration und Teller. Alles wird praktisch verstaut in stapelbaren Kisten, damit das Team nicht alles einzeln aus dem Regal nehmen muss – so wie es ganz am Anfang der Fall war.

„Es kam aus dem Machen“

Im Sommer 2014 kam den langjährigen Freunden die erste Idee zu INCMPLT, damals anlässlich zum Design Super Markt, wo sie einige Produkte verkaufen wollten. „Es kam aus dem Machen“, wie sie heute erzählen. Eins kam zum anderen, es fühlte sich ganz natürlich an. Nachdem das erste Projekt so wunderbar angelaufen war, wurde auch die nächste Idee eines Supper Clubs motiviert angegangen.

Im November 2014 waren es vor allem noch Freunde, die eingeladen waren. Diese Freunde halfen zum Teil auch später noch mit, als auch Fremde zu dem Event kamen. „Die sagten dann: ‚Danke, dass ich dabei sein durfte‘ – obwohl wir doch eigentlich zu danken hatten“, erinnert sich Catrin. Sie kommt mit ihrem Studium in Ausstellungs- und Museumsdesign eigentlich aus einer ganz anderen Richtung, doch sie hat schon immer in der Gastronomie gearbeitet und hat mit Daniel einen kulinarischen Partner gefunden. Und wie der breite goldene Ring an ihrem Finger verrät, hat sie auch ihren Lebenspartner schon gefunden: Es ist Jochen, der als Schreiner und Produktdesigner für die Möbel des Supper Clubs verantwortlich ist. Für ihn ist sie nach dem Studium in Graz auch wieder nach Köln zurückgekommen.

Ein Netzwerk, das sich perfekt ergänzt

Obwohl Daniel, Jochen und Catrin alle aus Orten in Südhessen kommen, sind sie weitestgehend unabhängig voneinander in Köln gelandet und haben sich hier dann wieder zusammen getan. Sie alle ergänzen sich perfekt – „jeder hat seinen Part“, und damit meinen sie das ganze Netzwerk, das sich bis nach Helsinki erstreckt, wo sie auch den Restaurant Day entdeckt haben: Alle Bewohner der Stadt können irgendwo in der Stadt selbstgekochtes Essen verkaufen. Ein Konzept, das das Dreigang-Team immer noch fasziniert.

Mit den Dreigang-Produkten kann man den Supper Club immer zu Hause haben

Mit den Dreigang-Produkten können sie ihre kulinarische Leidenschaft auch mit Menschen außerhalb des räumlich und zeitlich begrenzten Supper Clubs teilen. Auch dieses Projekt ergab sich fast wie von selbst: Nachdem Besucher auf der Veranstaltung nach Rezepten für die Drinks fragten, beschloss Daniel kurzerhand, seine Sirups in größerer Menge zu kochen als für den Supper Club benötigt wurde und sie abgefüllt zu verkaufen. Die Etiketten werden noch individuell bedruckt, da es sich jedes Mal nur um kleine Mengen handelt. Mit Liebe handgemacht und unglaublich lecker! An den Flaschen hängt ein kleines Heft mit Rezeptvorschlägen – neben Cocktails auch für Salate.

Bei Eiko von Federvieh kann man den Sirup an seinem Stand auf Märkten kaufen. Er war auch schon als Koch beim Dreigang Supper Club und hilft gerne. Der Stand kommt auch aus dem Haus IMCMPLT, Jochen hat ihn entworfen und geschreinert.

„Ein Praktikum bei mir selbst.“

Mit INCMPLT wollten die drei einen Gegensatz zu ihren Brotjobs setzen, Ideen verwirklichen, wenn sie kommen. Der Name soll symbolisieren, dass sie sich vom Perfektionismus befreien, dass es immer weiter geht. Es geht um ein direktes Ausprobieren, aus dem Bauch heraus. Catrin nennt es „ein Praktikum bei mir selbst“, was verdeutlicht, wie unmittelbar alles passiert.

Wie das manchmal so ist, kann man INCMPLT nicht von Dreigang und das nicht von den Menschen dahinter trennen. Es geht darum, verschiedene Menschen zusammenzubringen, ob kreativ oder am gemeinsamen Esstisch und etwas Grandioses zu schaffen. Und weil es sich aus dem Bauch richtig anfühlt, sind beide Projekte nachhaltig ausgerichtet, „aber ohne die moralische Keule“, wie Jochen betont.


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