Text: Gina Käding & Fotos & Video: Nathan Ishar

Kaffeeduft in der Luft und eine gemütliche Dachgeschosswohnung mit Blick über Nippes - willkommen in der Welt des wohl feinsten Herrn Kölns. Unter diesem Namen produziert Jan Böyng seit drei Jahren handgemachte Fliegen, Krawatten, Einstecktücher und Manschettenknöpfe. Eben alles, was man(n) so benötigt, wenn er für einen speziellen Anlass etwas ganz Besonderes tragen möchte.

Unheimlich herzlich sind sie - der Jan und seine Freundin Eva. Zur Begrüßung gibt’s eine Umarmung und eine frische Tasse Kaffee, dann geht es weiter in die Werkstatt, die in der Wohnung der beiden liegt.

Das Studio des feinen Herrn ist hell und einladend - im Hintergrund läuft der Plattenspieler. 

Auch im Studio überzeugt der erste Eindruck: Es ist hell und verdammt ordentlich - laut Jan der positive Nebeneffekt, wenn man regelmäßig Kunden in der eigenen Werkstatt empfängt. Im Hintergrund läuft der Plattenspieler - Satanic Satanist, Jans Lieblingsalbum der amerikanischen Rockband Portugal.The Man. Die beiden erzählen, dass sie grundsätzlich Vinyl auflegen, wenn sie Gäste in der Welt des feinen Herrn empfangen - das habe sich so eingebürgert.

WE ARE MAKERS - Der Feine Herr from WE ARE MAKERS


„Ich zeig euch einfach mal was?“, fragt Jan. Aber gerne doch! Der erste Blick fällt auf das große Regal an der Wand, in dem zahlreiche Kisten lagern - allesamt mit Stoffen in unterschiedlichen Farben und Mustern gefüllt.

Wenn Jan und Eva auf Reisen sind, planen sie immer etwas Zeit ein, um durch die Stoffläden der jeweiligen Stadt zu streichen

Mitgebracht haben Jan und Eva diese aus der ganzen Welt. „Selbst wenn wir privat unterwegs sind, streifen wir immer durch die Stoffläden der jeweiligen Stadt.“ Mailand, Reykjavik, zuletzt sogar Tokyo, wo sie im Textilviertel der Stadt auf Entdeckungsreise nach besonderen Textilien waren. „Das gehört mittlerweile einfach zu jedem Trip dazu.“

Auch für die MAKERS hat sich Jan etwas ganz Besonderes einfallen lassen - er produziert eine exklusive und limitierte Linie von Fliegen und Krawatten. „Den Stoff dafür habe ich in einem sehr coolen Stoffladen in Island entdeckt.“

Damals stach ihm zunächst die Farbkombination von Grün und Gelb ins Auge. „Die lässt sich wunderbar mit ganz verschiedenen Looks kombinieren.“ Aber noch eine weitere Besonderheit überzeugte ihn: „Was ich persönlich sehr cool finde, sind die unregelmäßigen Punkte des Musters - das findet man selten.“

Welche Kriterien muss ein guter Stoff denn erfüllen?

„Ein guter Stoff muss ein wenig Stretchanteil haben und vor allem Struktur. Du solltest drüber fühlen können und sofort merken - da passiert was!“

Angefangen hat alles im Jahr 2013, Jan war am Ende seines Studiums angekommen.

„Ich habe damals eine Krawatte gesucht und einfach keine gefunden, die mir gefallen hat. Ich dachte, das kann doch nicht euer Ernst sein?“ Der ersten Verwunderung folgte dann aber gleich lösungsorientiertes Denken:

„Ich bin ein Mensch, der schon viele Sachen ausprobiert hat, und ich habe immer schon vieles selbst gemacht. Ich fragte mich also direkt: Wie schwer kann das schon sein?“

Nähen hatte ihm seine Mutter schon in der Jugend beigebracht. „Also hab ich mir den Stoff gekauft und losgelegt. Die erste Krawatte sah zwar noch anders aus, aber schon ganz okay.“

„Ey, mach ein Business daraus“ sagten Freunde aus einer Bierlaune heraus. Kurze Zeit später war er dann wirklich da - „Der feine Herr“

Schnell fand Jan im Freundeskreis den nächsten Kumpel, der ebenfalls Interesse an einem seiner handgefertigten Stücke anmeldete. Jan erinnert sich noch gut an ein Gespräch, das er damals mit ein paar Freunden im Goldenen Schuss im Belgischen Viertel führte - sie schlugen vor, er solle doch ein Label gründen. „Das war halt so aus einer Bierlaune heraus.“

Die Nachfrage wuchs stetig, und irgendwann waren es dann nicht mehr nur Bekannte, die Jans Krawatten haben wollten.

Eva, die selbst im Marketing arbeitet, fiel kurze Zeit später der Markenname ein - und aus Jan, dem Mann mit der Nähmaschine, wurde „Der feine Herr“. Die Marke ermöglicht ihm den idealen Ausgleich zu seinem wenig kreativen Beruf im Projektmanagement bei Ford.

„Das Schöne ist, dass du am Ende etwas hast, das du in die Hand nehmen kannst. Du hast Zeit investiert, siehst aber auch die Früchte deiner Arbeit.“

Für Jan und Eva stehen die Identifikation mit dem Produkt, dessen Herkunft und Herstellungsweise im Vordergrund

Jan stellt hohe Ansprüche an seine Lieblingsprodukte - und will diesen natürlich auch mit seiner eigenen Marke gerecht werden. „Wir wollen ein Produkt herstellen, über das Leute sagen, dass sich da jemand wirklich Gedanken gemacht hat.“

Was planen die beiden für die Zukunft? „Natürlich wünschen wir uns noch mehr Männer, die schöne Accessoires besitzen, ihre Outfits damit aufpeppen und Lieblingsstücke haben, die wir mit Leidenschaft für sie angefertigt haben.“ Und das sei eben auch genau das Ding, sagt Eva:

„Wir machen das hier nicht, um reich zu werden, sondern weil uns das Spaß macht, wenn am Ende ein schönes Produkt entsteht und natürlich, wenn da draußen viele feine Herren herumlaufen.“


1 Kommentar

  • Ich habe schon mehrfach bei Jan bestellt (und ich freue mich, dass er nächstes Jahr auch Stücke für meine Hochzeit herstellen kann). Wirklich absolut besonders und handwerklich top! Beste Grüße von der Elbe an den Rhein – und viel Erfolg für den feinen Herrn.

    Oliver

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