Text: Julia Hitzemann & Fotos: Athenea Diapoulis


Eva, Margit und Michael trifft man wie so oft üblich in der kleinen, wie sie sie liebevoll nennen, „Experimentier“-Küche in Evas großzügiger Altbauwohnung im Kulturviertel Köln-Kalk. Und hier wird schnell klar, die einzelnen Aufgaben sind ganz klar verteilt: Während Mama Margit so wohltuende Gewürze wie beispielsweise Kardamom, Ingwer oder auch Zimt, eines nach dem anderen in einen großen silbernen Kochtopf gibt und unter ständigem Rühren miteinander vermengt (man ertappt sie außerdem immer wieder dabei, wie sie die schon fast ätherischen Dämpfe tief einatmet), steht Tochter Eva nicht nur mit Rat und Tat ihrer Mutter bei, sondern verewigt die einzelnen Koch-Handgriffe handschriftlich in einem bis dato schon sehr vollgeschriebenen College-Block. Und Papa Michael? Der steht wie sonst auch oft üblich etwas abseits vom Herd und beobachtet das Treiben seiner Familie. Doch man sieht ihm ganz deutlich an, dass er gerade die Menge der verwendeten Gewürze akribisch genau im Kopf zusammenrechnet und schon die nächste Budgetplanung in Gedanken aufstellt.


Die Rede ist von dem Chai Masala Sirup mit dem Namen „Black Sense“ – und der Name klingt nicht nur gut, er steht zugleich für ein einzigartiges Projekt.

 


Sie sind die Familie Zukunft und hauchen dem so eingestaubten Begriff des „Familienunternehmens“, bei dem wohl die Meisten an eben diese alt eingesessenen Industrieunternehmen mit Firmennamen wie „Schmitz und Söhne“ oder ähnliches, denken, ein ganz neues Leben ein. Aber hier steht eben nicht nur eine wirklich sympathische Familie in der kleinen Küche einer schönen Altbauwohnung auf der „Schäl Sick“ und hantiert mit duftenden Gewürzen. Hier wird vielmehr an einem neuartigen Produkt gefeilt, das schon bald die Kaffee- und Café-Kultur bereichern wird. Die Rede ist von dem Chai Masala Sirup mit dem Namen „Black Sense“ – und der Name klingt nicht nur gut, er steht zugleich für ein einzigartiges Projekt.

 


Jetzt fragt sich natürlich jeder, was schon das Besondere an „Black Sense“ ist, ist Chai Latte doch seit geraumer Zeit von den Getränkekarten etlicher Cafés nicht mehr wegzudenken. Doch kaum einer weiß, dass es Chai zwar in Pulver- bisher aber nicht in haltbarer Sirup-Form gibt. "Ich erfinde hier doch das Rad nicht neu! Doch ich habe dann sehr schnell festgestellt – wir sind nahezu konkurrenzfrei“, so Ideengeberin Eva Zukunft.

„Unser Chai Sirup wird nicht industriell hergestellt sondern von Hand zubereitet und das soll auch in Zukunft so bleiben!“

Dabei hat Chai Sirup gegenüber Pulver einen gar nicht mal so unerheblichen Vorteil, denn er ist sehr viel ergiebiger. So lassen sich aus nur einem Liter Chai Masala Sirup rund 50 Getränke herstellen – das Mischverhältnis von 1 zu 10 macht's! Und noch etwas ist an „Black Sense“ besonders: Der Geschmack. Denn für Chai gibt es tatsächlich kein einheitliches Rezept. Sogar in Südasien, wo der Chai seinen Ursprung hat, hat jeder seine ganz eigene Rezeptvariation. „Black Sense“ schmeckt also nicht nur besonders lecker, er ist geschmacklich auch noch einzigartig.

Die Anfänge.

„Ich habe schon immer super gerne Chai getrunken. Aber weil ich Veganerin bin und keine Milch vertrage, habe ich irgendwann angefangen, auf die Etiketten der verschiedenen Chai-Produkte, die es auf dem Markt gibt, zu schauen und da bin ich fast Rückwärts die Theke runtergefallen. Denn in den meisten Fällen ist da von künstlichen Aromen bis Molkenpulver alles drin. Und das sind eben alles Zusätze, die man eigentlich da gar nicht drin braucht“, erzählt Eva. Neben den schlechten Erfahrungen mit Fertig-Chai, spielte aber auch das Bewusstsein für gutes Essen eine entscheidende Rolle dabei, den entscheidenden Schritt zu wagen, sein eigenes Produkt zu produzieren. „Von klein auf habe ich meine Tochter damit infiziert, zu gucken, was man genau isst und trinkt“, erklärt Mutter Margit. Und diese Erziehung soll eben heute ihre Früchte tragen.


Die Idee, seinen eigenen, verbesserten Chai selbst zu produzieren war von da an geboren, jetzt musste der selbst gekochte Chai nur auch den Sprung raus aus Evas Wohnküche in Köln Kalk und rein in die Cafés der Stadt schaffen. Dafür lud Studentin Eva zu aller erst mal Woche für Woche immer wieder zahlreiche Freunde und Bekannte als „Chai-Tester“ nach Kalk ein um fortan an der ursprünglichen Rezeptur zu feilen. Glücklicherweise war darunter auch ein befreundeter Barista, der Eva ein ganz besonderes Angebot machte: „Nachdem er meinen Chai probiert hatte, wollte er ihn unbedingt bei sich im Café verkaufen“, erinnert sich die Studentin. Und so bat er diesen zwar Erstmal testweise nur als hausgemachten Chai an, doch „die Kunden waren sofort begeistert vom einzigartigen Geschmack. Direkt so ein ausschließlich positives Feedback zu erhalten, war einfach überwältigend“, erinnert sich Eva euphorisch.

„Es gibt zwar zahlreiche Chai-Pulver, aber niemand macht Chai als Sirup mit ausschließlich biologischen Zutaten.“

Der Testlauf von der Küche ins erste Café ist jetzt genau ein Jahr her. Und dabei wäre „Black Sense“ fast den deutschen Behörden zum Opfer gefallen, erinnert sich Vater Michael. „Von Anfang an, dachte ich mir, Eva, du kannst nur den Verstand verloren haben. Lebensmittel in Deutschland selbst zu produzieren, ist eine ganz bescheidene Idee.“ Denn der damit verbundene Behördenwahnsinn, es mussten zahlreiche Zertifikate, Gesundheitszeugnisse und Vorschriften des Gesundheitsamtes erfüllt werden, stellte die frisch gebackene Unternehmerfamilie ganz schön auf die Probe. Doch der Glaube an das eigene Produkt und der starke familiäre Zusammenhalt war dann eben doch zu groß, um die Flinte frühzeitig ins Korn zu werfen.

Das Erfolgsrezept heißt Family-Spirit.

Und noch etwas spricht für diesen besonderen Family-Spirit der Familie: So steckten Evas Eltern außschließlich Geld aus ihrem privaten Vermögen in die Verwirklichung des selbstgemachten Chais und das eben ganz ohne das typische „ABER“, das so manch einer von uns schon gehört hat, wenn man seine vermeintlichen „Hirngespinste“ voller Begeisterung den Eltern am Abendbrottisch präsentiert. „Erst habe ich gedacht, okay investiert man ein paar hundert Euro. Das bringt uns auch nicht um“, erklärt Vater Michael. Schnell kamen so zu den anfänglichen „ein paar hundert Euro“ ein paar weitere hundert Euro dazu. Bereut hat das kostspielige Abenteuer „Black Sense“ bisher aber kein Mitglied der Familie. Und das wohl auch, weil die Rezeptur aus Kardamom, Ingwer, Zimt, Vanille und Cayennepfeffer aus biologischem Anbau bislang nahezu konkurrenzfrei ist. „Es gibt zwar zahlreiche Chai-Pulver, aber niemand macht Chai als Sirup mit ausschließlich biologischen Zutaten.“

Die Schuld in der Eva gegenüber ihrer Eltern steckt, mag für Außenstehende fast erdrückend sein, wenn Mutter und Vater einiges an Kapital in die Idee der eigenen Tochter stecken. Doch von „Ich zahle es ihnen irgendwann zurück“ ist hier keine Spur und das will man auch gar nicht. „Das war bei uns noch nie so und das ist glaub ich auch das, was uns als Familie so auszeichnet. Wir machen alles immer für alle. Und das immer freiwillig“, erklärt Eva. „Bei uns rechnet keiner auf“, ergänzt Mutter Margit. Und das spricht eben für ein wirklich besonderes Familienkonzept, indem eine Geschäfts- und Privatbeziehung so unkompliziert miteinander vereint ist.

 


Eine Rezeptur auf dem Vormarsch.

Nachdem die Rezeptur stand, und das dauerte bei der leicht perfektionistischen Eva und ihrer Familie fast ein ganzes Jahr - ein Jahr indem zahlreiche verschiedene Chai-Rezepturen ausprobiert und diverse Tassen Chai Latte verköstigt wurden, bis laut Eva „uns allen schlecht war“, mussten aber erstmal die Klinken zahlreicher Kölner Cafés geputzt werden. Denn der Chai schmeckte zwar sehr gut, ihn kannte bis dahin aber niemand außerhalb der vier Wände von Familie Zukunft.

„Noch beliefere ich alle unsere Gastronomen selbst, ob mit dem Smart oder auch mit dem Fahrrad samt Anhänger“, lacht Tochter Eva. Mittlerweile sind das 15 Cafés in und um Köln, wie beispielsweise das Café Heimisch, TörtchenTörtchen, das as/if im Belgischen Viertel, das Coworking-Café WNDRFUL oder das Café Rubi in Sülz, die ihren Chai-Sirup, der in der Chai-Küche in Hennef erst einmal 45 Minuten in einem speziellen Kochtopf mit den verschiedenen Gewürzen vor sich hin köchelt, später gesiebt und anschließend in die speziellen braunen Apothekerähnlichen Fläschchen abgefüllt wird, anbieten.

 

Pläne für die Zukunft gibt es viele.

So tüftelt das Familienunternehmen an verschiedenen Rezepten für einen Vanille-Chai oder eine erfrischende Sommerversion des würzigen Heißgetränks. Auch eine zuckerfreie Version schwirrt in den Köpfen von Eva, Margit und Michael. Bei alle den Erfolgsaussichten von „Black Sense“ will Familie Zukunft aber eines niemals aus den Augen verlieren: „Unser Chai Sirup wird nicht industriell hergestellt sondern von Hand zubereitet und das soll auch in Zukunft so bleiben!“, betont Mama Margit. Denn nur so kann der Qualitätsanspruch der Familie auch langfristig gewahrt werden.


Es wird also so schnell nicht still um die Familie Zukunft und ihren „Black Sense Chai Masala Sirup“. Und die kleine Familie ist wohl das beste Beispiel dafür, dass es sich immer lohnt, seine eigenen Ideen zu verfolgen. Stolz erinnert sich Vater Michael daran, „als eine Anfrage von einem Café aus Düsseldorf kam. Es wäre eine Kundin dagewesen, die unseren Chai in Köln probiert hat und meinte ‚kümmere dich darum, dass du diesen Chai auch in deinem Café anbietest‘, und in diesen Momenten denkt man sich, man ist auf einem richtig guten Weg…“


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